„Wir haben Würmer!“ und das in einer Wurmkiste…

Ich muss zugeben, manchmal finde ich es selber komisch, diesen Satz zu sagen. Aber für mich ist das mittlerweile schon absolut normal geworden und „Möchte jemand die Würmer füttern?“ eine alltägliche Frage an meine beiden Minis.

Neben dem wunderbaren Aspekt, dass Sie aus unserem Müll herrlich duftenden Humus machen und die Wurmkiste nebenbei als Tisch auf unserem Balkon dient, sieht sie auch noch schön aus – wie ich finden ♥

Wurmkompostierung – Was ist das?

In einer Wurmkiste zersetzen Würmer und Mikroorganismen (Bakterien & Pilze) den Bioabfälle in ihre Grundsubstanzen. Die Mikroorganismen schließen den Abfall auf und die Würmer futtern dann diese Mikroorganismen und produzieren Wurmkompost. Die wertvollen Substanzen aus dem Kompost können Pflanzen wieder aufnehmen – es entsteht also ein natürlicher Kreislauf. Und anders als viele vermuten, ist es geruchlos (wenn es den Würmern gut geht) und braucht nur wenig Platz und Pflege.

Wie funktioniert die Wurmkiste?

Es gibt viele verschiedene Wurmkisten von verschiedenen Anbietern. Auch Anleitungen zum Selberbauen findet man im Internet. Wir haben uns für eine Familienkiste von wurmkiste.at entschieden, in der zwei große löchrige Plastik-Kisten nebeneinander auf Erde stehen. In der Erde verstecken sich die Würmer. Man gibt den Biomüll in eine der beiden Kisten und bedeckt diesen mit einer Hanfmatte, die es dunkel und feucht hält und Fruchtfliegen einigermaßen abhält. Ist die Kiste voll, lässt man die Würmer arbeiten (sie ziehen dann nach oben in die Kiste) und befüllt die nächste Kiste. In der Zeit kann in bzw. unter der ersten Kiste Humus entstehen, den man dann nach ca. 3 Monaten „ernten“ kann. Die Feuchtigkeit sammelt sich als Wurmtee, der nach unten sickert und mit einem Zapfhahn am Boden der Kiste entnommen werden kann. Dieser Wurmtee ist ein wunderbarer Dünger!

Wurmkiste mit löchrigen Kisten und Hanfmatten

Würmer füttern

Wurmtee und herrlicher Wurmhumus

Zubehör – Hanfmatte und Mineralien

Wie fange ich an?

Das gute am Kauf einer Wurmkiste ist, dass man alles, was man für den Anfang braucht, gleich mitgeliefert bekommt. Unter „Starten der Wurmkiste“ auf der Seite des Herstellers erfährt man genau, wie man an schlauesten anfängt.

Was muss man beachten?

Eines vorweg – man kann die lieben Würmis auch mal zwei Wochen alleine lassen und in den Urlaub fahren! Sie sind also absolut pflegeleicht, wenn man sie gut behandelt und man Ihnen eine optimalen Lebensraum schafft. Leider kann man auch einiges falsch machen, aber mit ein paar Tricks hat man das schnell raus.

  • Temperatur: Optimal ist zwischen 15°C und 25°C. Die Kosten sind dafür gemacht, in der Wohnung zu stehen. Unsere Kiste steht allerdings auf einer Nordost-Loggia, wodurch sie ganzjährig dort stehen kann, weil es nie zu heiß oder zu kalt wird. Zum Überwintern oder Übersommern kann die Kiste auch gut im Keller stehen. Dort ist es im Sommer kühl und im Winter schön warm. Wir hatten bei sehr kalten Temperaturen (-10°C) eine Decke über die Kiste gelegt, was zumindest ein bisschen Wärme gehalten hat. Und tatsächlich – Sie haben überlebt (obwohl die oberste Erdschicht gefroren zu sein schien)!
  • Feuchtigkeit: Es sollte nie zu nass oder zu trocken sein. Um das zu überprüfen, nimm Erde (ohne Würmer) in die Hand und presse sie zusammen. Läuft Wasser raus, ist es zu nass und Du solltest trockene Pappe untermischen, den Deckel offen lassen und erst mal weniger füttern. Falls kein Wasser fühlbar ist, ist es zu trocken. Dann am besten mit einem Zerstäuber regelmäßig befeuchten oder mit nassen Händen hineinspritzen.
  • Lüften: Tut auch Würmern gut. Die Deckelinnenseite sollte eher trocken und nicht dauerfeucht sein.
  • Futter: Besteht idealerweise aus einer Mischung von 80% Biomüll und 20% feuchtem Papier/Kartonschnipsel.
  • Mineralien: Der pH-Wert sollte neutral sein. Die Mineralmischung hilft dabei und versorgt die Würmis mit notwendigen mineralischen Nährstoffen. Dazu monatlich zwei große Esslöffel in die Kiste streuen.

Woher bekomme ich das Equipment?

Leider habe ich das ganze Zubehör (Hanfmatte, Kokosblock, Mineralmischung, Mittelchen zur Bekämpfung von ungeliebten Gästen) noch nirgendwo in einem normalen Laden entdeckt und muss es daher online bestellen. Das geht entweder gut beim Hersteller selbst oder zum Beispiel auch bei www.wurmwelten.de

Was darf man den Würmern geben?

Das Futter bzw. Dein Biomüll sollte feucht, nicht zu hart und kleingeschnitten sein. Je kleiner, desto einfacher, ist er zu zersetzen.

Beispiele sind: Tee, Reste von Obst und Gemüse,  Kaffeesatz (maximal 1/3 des täglichen Futters), Pflanzenreste.

Wichtig sind ca. 20 % Zeitungspapier und Karton (kein Hochglanz), weil die Würmer die enthaltenen Fasern brauchen. Aber befeuchten nicht vergessen :-). Denn trockenes Material wird nicht gefressen.

Ab und an benötigen sie auch ein paar Mineralien, die in unserem Abfall eher Mangelware sind (siehe oben).

Wurmfutter – Biomüll und nasses Papier

Was sollte man lieber nicht geben?

Trockenes, Knochen, Chemikalien und Gifte, Milchprodukte, Käse, Reste von Zitrusfrüchten, Fleisch, Brot und Getreideprodukte, Hochglanzpapier, Gekochtes, Mariniertes und Gesalzenes. Auch mit Kartoffelschalen, Eierschalen und Nussschalen habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Diese werden sehr langsam zersetzt und sollten daher nur in Maßen dazugegeben werden. Auch Fäkalien von Tieren oder Katzenstreu und sehr hartes (z.B. Holz) sind tabu.

Die Wurmkiste hat Probleme?

Es können viele Probleme auftreten und ja…auch wir hatten jetzt schon fast alle Probleme mal durch.

  • Fruchtfliegen
  • Trauermücken
  • unangenehmer Geruch
  • flüchtige Würmer
  • zu viele kleine weiße Würmer (Enchyträen)

Natürlich gibt es auch andere Bewohner in einer Wurmkiste, wie Enchyträen, Springschwänze und Asseln. Alle sind wichtige Helfer beim zersetzen des Abfalls. Nur sollten sie nicht zu viele werden.

Aber zu allen Problemen gibt es auch Lösungen. Dazu schau am Besten auf die Support-Seite im FAQ des Herstellers. 

Enchyträen und Fruchtfliegen in der Wurmkiste

Ernte der Wurmkiste

Den Humus zu ernten ist gar nicht schlimm. Ziel ist es, so viele Würmer wie möglich in die Kiste zu locken, damit man diese entnehmen und den darunter liegenden Humus (ohne Würmer) entnehmen kann. es soll helfen, 5 Tage vor der Ernte 2-3 EL rohe Polenta einstreuen. Dies lockt auch die letzten Würmer hoch in die Erntekiste. Sind noch viele Würmer unten in der Holzkiste sind, ist der Wurmhumus noch nicht fertig.

Der fertige Humus in der Holzkiste kann mit der Hand geerntet und zum Beispiel in einen Eimer gefüllt werden.

Nach der Ernte kann der Inhalt der Erntekiste samt den Würmern in die Holzkiste geleert werden. Es ist aber ratsam, vorher das Vlies, das die Feuchtigkeit nach unten hin durchlässt, mit einem weichen Tuch und Wasser zu reinigen und anschließend einen aufgeweichten Kokosblock daraufzustreuen. Dann kann auch die Erntekiste wieder oben drauf und gefüttert werden.

Wohin mit dem Wurmhumus und dem Wurmtee?

Den Humus kannst Du nach der Ernte in Blumentöpfe oder aufs Beet streuen und vorsichtig (oberflächlich) in die Erde einarbeiten. Deine Pflanzen werden sich über diesen Düngeschub freuen!

Mit dem Wurmtee kannst Du zwischendurch Deine Pflanzen düngen. Gib dazu 1:10 ins Gießwasser und gieße Deine Pflanzen wie gewohnt.

Wieso tue ich nicht einfach alles in die Biotonne?

Ganz einfach – weil ich es ausprobieren wollte! Angefangen hat es vor etwa 3,5 Jahren als Wurmkisten immer präsenter und hipper wurden. Ich war fasziniert von der Idee, aus meinem Abfall wertvollen Humus für meine Pflanzen zu bekommen. Also wünschte ich mir eine Kiste und bekam sie zum Geburtstag! Eine Spielerei mit positiven Nebenaspekten.

Meine Biotonne würde ich trotzdem niemals hergeben, denn es gibt ja auch Müll, den meine Würmis nicht futtern! Und wie viele wertvolle Ressourcen in Biomüll stecken, kannst Du in meinem Blogartikel über Biomüll nachlesen.

Fazit

Diese kleine Mini-Ökosystem sieht zwar erst mal nach Spielerei aus, ist aber besonders für kleine Menschen eine tolle Gelegenheit, hautnah zu erleben, dass sich die Natur und alles Leben auf der Erde in einem Kreislauf befinden. Einem sensiblen Kreislauf, der schon durch kleine Veränderungen stark beeinflusst und aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Also ein echter Fall für BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und das SDG 15 (Leben an Land). Da schlägt mein Biologenherz gleich viel höher…Ich liebe es ♥!

Eine Wurmkiste ist also schon ein bisschen Arbeit, aber wenn man Spaß am Beobachten und experimentieren hat, ist sie genau das Richtige.

Ich hoffe, Du hattest Spaß beim Lesen und bist vielleicht sogar auf den Geschmack gekommen!

Ich wünsche Dir alles Gute und bleib gesund!

Deine Ankathrin