Gehört hat zero waste bestimmt schon jeder. Und dass das irgendwas mit Müll zu tun hat, weiß man auch. Aber was genau bedeutet denn zero waste? 

Ich muss gestehen, ich verwende diesen Begriff irgendwie ungerne, weil er mich persönlich abgeschreckt hat, als ich Ihn das erste Mal vor ca. 5 Jahren gelesen habe. Dazu hab ich noch ein Bild von einer Frau gesehen, nämlich von Bea Johnson – DIE zero waste-Ikone überhaupt – mit einem Einmachglas in der Hand, das den Restmüll eines ganzen Jahres beinhalten sollte.

Krass, wie verrückt – dachte ich damals. Cool – denke ich heute!

zero waste – eine Lebensphilosophie

zero waste kann aus dem englischen mit „Kein Müll“ oder „Keine Verschwendung“ übersetzt werden. Ein zero waste Lebensstil verfolgt somit das Ziel, möglichst wenig Abfall zu produziert und vor Allem keine Ressourcen zu verschwenden, achtsam zu sein und zu handeln. Zero waste stellt somit eine wunderschöne Lebensphilosophie dar.

Sehr oft mischt sich ein minimalistischer Lebensstil dazu. Die Reduktion des Hausstandes auf ein Minimum bzw. das Nötigste unterstützt nämlich die Vermeidung von Ressourcen-Verschwendung, indem man materielle Ressourcen freigibt (solange man das Zeug nicht wegschmeißt sondern weitergibt). Aber auch persönliche Ressourcen (Zeit und Nerven) werden geschont. Denn ich finde – Dinge von A nach B räumen ist einfach zeitaufwendig und totaaaal nervig. Auch darauf zu verzichten, sich durch materielle Anschaffungen besser fühlen zu wollen spart Zeit und Geld und kann auf Dauer befreiend sein. Je weniger Zeug man hat, desto mehr Zeit bleibt also für die schönen Dinge im Leben. Wie eine meiner Lieblings-Inspirations-Quellen Marijana Braune immer so treffend sagt: „VERSCHWENDE WENIGER UND LEBE MEHR. Starte in ein freies Leben – mit mehr Zeit statt Zeug in deinem Alltag.“ Letztendlich lernt man so, die Dinge die man hat zu pflegen und wertzuschätzen. Automatisch wird man achtsamer – Dingen und sich selbst gegenüber!

Mit zero waste anfangen

Wie gesagt hat mich der Begriff anfänglich wahnsinnig abgeschreckt, weil es mir zu radikal vorkam. Keinen Müll produzieren, das können doch nur superradikale Öko-Nerds, die auf dem Land leben, Selbstversorger sind und einfach zu viel Zeit haben. Deshalb ersetze ich den Begriff für mich meist lieber mit nachhaltig leben. Und nachhaltig leben ist einfach, schön und gesund – wenn man nur weiß wie! 

Demnach gilt das auf für zero waste. Wenn man erst mal den Grundgedanken und auch ein paar Regeln dazu verinnerlicht hat, ist diese Art zu leben sehr schön, sehr gesund und eigentlich gar nicht so schwer.

Man sollte aber nett zu sich selbst sein und dabei nie vergessen – seinen Lebensstil zu ändern geht NIE von jetzt auf gleich. Das heißt, man probiert einiges mal aus, lässt mal wieder was weg und fällt auch mal wieder in alte (nicht nachhaltige) Verhaltensmuster zurück. Ist aber überhaupt nicht schlimm. Denn unter dem Strich ist man mit vielen kleinen Schritten, die man über einen längeren Zeitraum geht, plötzlich ziemlich gut darin und wird von alleine immer besser. Immer Schritt für Schritt!

Die 5 Grundregeln des zero waste – die 5 Rs

  1. Rethink | Refuse
  2. Reduce
  3. Repair
  4. Reuse
  5. Recycle | Rot

Es gibt einige Varianten dieser Regeln im Netz. Aber grundsätzlich haben sie alle die gleiche Aussage. Sie helfen Dir dabei, das Prinzip hinter zero waste zu verstehen und es vor allem in Deinen Alltag einzubauen. Ich ertappe mich mittlerweile oft dabei, wie ich etwas mache und denke „aha – da hab ich mal wieder die ein oder andere Regel – ein R – angewendet“. Diese Regeln sind zu einer Art Hilfestellung oder Entscheidungshilfe meines Handelns geworden.

1.Rethink | Refuse (überdenken | ablehnen)

Damit ist gemeint, dass Du Dein eigenes Konsumverhalten grundsätzlich überdenken solltest – RETHINK. Das klingt jetzt sehr dogmatisch und abschreckend, ist aber gar nicht so gemeint. Denn das kommt nach einer Weile von ganz alleine sobald man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Daher würde ich dem Überdenken anfänglich gar nicht so viel Gewicht geben, obwohl es natürlich die Regel Nr. 1 ist, sobald man diesen Lebensstil lebt.

Was aber tatsächlich immer Dein erster Gedanke sein sollte ist REFUSE, das Ablehnen. Damit ist gemeint, dass Du alles was unnötig Müll bzw. Zeug in Deinen Haushalt bringen würde ablehnen oder vermeiden solltest.

Das fängt natürlich bei allen Anschaffungen also Deinem Konsumverhalten an. Es hilft, vor jeder Kaufentscheidung ein paar Nächte darüber zu schlafen und sich zu fragen, ob man es wirklich braucht und vor Allem, ob es einen richtig glücklich macht. Oft hat sich der Wunsch danach oder die Notwendigkeit dann schon wieder gelegt.

Ablehnen sollten wir natürlich auch Verpackungen vom Einkauf, aber auch „unauffällige Dinge“, wie zum Beispiel Flyer oder Visitenkarten, die man einfach aus Höflichkeit annimmt. Ich bin dazu übergegangen, sie mir abzufotografieren. Das spart Müll und lästiges Aufbewahren. Oder Servietten beim Essen To Go. Meist bekommt man einen Stapel, von dem man letztendlich maximal eine verwendet. Ich habe dazu immer ein Tuch z.B. ein Stofftaschentuch dabei. Oder Werbepost – man öffnet den Briefkasten und es purzeln etliche Kataloge oder Werbeflyer von Anbietern raus wo man mal irgendwann was bestellt hat. Die landen DIREKT im Papiermüll. Ich schicke eine kurze Mail an den Anbieter mit der Bitte, von Werbepost abzusehen. Fertig!

2. Reduce (reduzieren)

REDUCE oder reduziere, was Du nicht ablehnen kannst. Damit sind Dinge in Deinem Haushalt gemeint, die Du doppelt hast oder nicht benötigst. Indem Du sie verschenkst, verkaufst oder spendest, gibst Du Ressourcen frei und musst diese Dinge nicht länger zeitaufwändig verwalten, abstauben oder wegräumen.

Bea Johnson hat mich auch da inspiriert. Sie sagte mal „warum sollte ich etliche Kochlöffel haben – ich habe nur eine Hand zum rühren“. Und irgendwie hat sie da Recht. Nach dem Kochen (und ich benutze oft den selben Löffel, um Nudeln und Sauce umzurühren) wird der Kochlöffel gewaschen und ist wieder einsatzbereit. Warum braucht man also 5, die Platz wegnehmen und einstauben? Aber das beste Beispiel, was vermutlich jeder kennt, ist der Kleiderschrank voll nichts anzuziehen! Ein T-Shirt, dass ich einmal im Jahr eventuell mal anziehen könnte ist wohl nicht mein Lieblings-Shirt und nimmt nur unnötig Platz weg.

Oft hilft hier auch, sich zu fragen, ob es im Haushalt nicht etwas anderes gibt, das den gleichen Zweck erfüllen könnte und man einen der beiden Gegenstände aussortieren könnte. Aber auf diesen Aspekt gehe ich in Punkt 4 (REUSE) noch mal genauer ein.

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Du nicht wahllos wegwirfst. Weitergeben und verkaufen geht einfacher als man denkt! Ich liebe Portale wie Ebay Kleinanzeigen, Mamikreisel, Momox, Rebuy (unbezahlte Werbung) und Flohmärkte im Allgemeinen. Aber auch verschenken geht einfach! In unserer Kirchengemeinde freuen sich Flüchtlinge des Flüchtlingscafés immer über Spenden. Oder ich stelle einfach eine Kiste vors Haus mit Dingen, die ich nicht mehr brauche. Häufig sind das Dinge, die viele Menschen in den Müll tun würde und da findet sich (fast) immer noch jemand, der es irgendwie gebrauchen kann. Wirklich erstaunlich!

3. Repair (reparieren)

Wenn Du die beiden ersten Punkte wirklich konsequent umsetzt, hast Du schon einiges geschafft und vor allem VIEL verändert. Nun wird es etwas kreativer!

Dinge, die Du nicht ablehnen und reduzieren kannst weil Du sie wirklich brauchst, gehen irgendwann auch mal kaputt.  REPAIR heißt logischerweise, dass man fast alles reparieren (lassen) kann. Das ist tatsächlich etwas, was unsere Generation völlig verlernt zu haben scheint. Schuhe geb ich zum Schuster, Kleidung flicke ich selber oder gebe sie dem Schneider bzw. jemandem der stopfen bzw. flicken kann. Eben ein bisschen wie früher – und da war doch eh alles besser ;-)!

Und Technikgeräte – tja, lasse ich irgendwo reparieren oder verschenke sie über Ebay Kleinanzeigen an jemanden, der sie selber reparieren möchte. Aber auch hier kann man schon beim Kauf darauf achten, dass man Dinge kauft, die sich auch reparieren lassen. Ein Beispiel hierfür ist das Fairphone. Leider habe ich keins, aber die Idee ist richtig toll! Ein Smartphone, dessen Einzelteile alle austauschbar sind und das somit immer wieder repariert werden kann, ist doch echt genial (unbezahlte Werbung).

Übrigens gibt es auch immer mehr Repaircafés. So was tolles! Dort kann man sich beim Reparieren von Haushaltsgegenständen und Kleidung von Fachmännern*frauen helfen lassen und dabei auch noch Spaß haben. Auf www.repaircafe.org findest Du bestimmt auch eins in Deiner Nähe.

4. Reuse (wiederverwenden | upcyceln / Zweckentfremden / Mehrfachzwecke erkennen)

REUSE bedeutet zum einen, dass man Einwegartikel ersetzt durch Mehrwegartikel, die man wiederverwenden kann. Zum Beispiel indem man das immer größer werdende Pfandsystem nutzt. Aber auch im Haushalt gibt es viele ersetzbare Einwegprodukte. Das sind klassische Hygieneartikel wie Abschminkpads, Stofftaschentücher oder Bienenwachstücher für die Küche.

Zum anderen steht REUSE für upcyceln oder Zweckentfremden. Oft kommen Dinge ins Haus, die in den Müll könnten, die man aber auch gut noch für etwas anderes verwenden kann. Zum Beispiel Schraubgläser vom Einkauf. Man kann darin kleine Dinge aufbewahren, Essen portionieren oder einfrieren oder sie als Geschenkverpackung nutzen. Oder Du kannst z.B. eine Transportbox oder ein Regal aus einer Weinkiste bauen. Ein weiteres schönes Beispiel ist ein Kinder-Mulltuch. Das kann man auch als Serviette für unterwegs oder eine schöne Verpackung für ein Geschenk nutzen. Letztendlich bedeutet dies einfach, dass Du Ressourcen, die in Deinem Haus sind nutzen, kreativ werden und nichts unnötig in den Müll werfen solltest.

Welchen Aspekt ich aber vor allem an dieser Grundregel liebe, ist zu verstehen, dass es nicht nachhaltig ist, alte Dinge gegen neue nachhaltige Produkte zu ersetzen. Im Gegenteil – Das nachhaltigste Produkt ist das, was bereits existiert! Und kreativ werden kann man tatsächlich lernen oder sich in den Social Media Accounts abgucken und es macht vor allem Spaß!

5. Recycle | Rot (recyceln und kompostieren)

Alles, was Du nun doch irgendwie entsorgen musst, solltest Du fachgerecht recyceln, um so viele Ressourcen wie möglich wiederverwenden zu können. Das heißt auch, den Aludeckel vom Joghurtbecher abmachen, damit die Sortiermaschine beide Materialien recyceln kann.

Und siehe da – wenn Du all diese Regeln umgesetzt hast, hast Du im Idealfall sehr wenig Müll, der Deinen Haushalt verlassen muss.

Lebe ich einen zero waste Lebensstil?

Meine Familie und ich versuchen es. Was das Thema Verpackungsmüll vermeiden – REFUSE – angeht, bin ich ziemlich gut. Aber weit weg von dem einen Einmachglas pro Jahr! Unnötigen Konsum meiden wir aber schon lange und das spart Geld, Zeit und tut echt gut.

REDUCE (in diesem Fall Dinge auszusortieren) ist nicht gerade meine persönliche Stärke, wobei ich auch da jeden Tag etwas besser werde. Was ich aber wirklich verinnerlicht habe ist, nichts unnötig zu verschwenden, also die Punkte REUSE und REPAIR. Alles bekommt bei uns einen neuen Sinn, wird upgecycelt, repariert, verkauft oder weitergegeben. Meine Kinder sind mittlerweile auch schon sehr kreativ geworden!

Über die Jahre habe ich also unterbewusst die 5 Grundregeln zu meinen eigenen Werten werden lassen. Zero waste oder lieber nachhaltig leben ist zu meinem Lebensstil geworden, der jede Neuanschaffung, jede Freizeitaktivität, jeden Gedanken und vor Allem jedes Gefühl beeinflusst. Schritt für Schritt haben diese Werte mein Leben verändert – wie ich finde zum Besseren. Und das genieße ich sehr und möchte ich auf keinen Fall mehr missen!